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Geschichtliches
Antonius
Sartor, Jägersmann zu Volkersbrunn, errichtete im Jahr 1733 -
mitten im Wald - eine Jagdhütte, um die vorbei fahrenden Kutschen
zu bewirtschaften. Der Weg an der Hohen Warte war damals der direkte
Weg zwischen Schloß Mespelbrunn und dem Aschaffenburger Schloß.
Seinen Namen finden wir in Stein gemeißelt auf dem Sockel des
Häusleins, die Inschrift lautet "Antonius Sartor, Förster
zu Volkersbrunn 1733".
Das Häuslein ist längst keine Hütte mehr und schon
lange von privatem in öffentlichen Besitz übergegangen.
Das Hohe-Wart-Haus, wie auch der inzwischen 480 Hektar große
Hohe-Wart Wald ringsum, gehört der Stadt Aschaffenburg.
Doch
kein Jäger ruht sich hier mehr von den Strapazen des Waidwerks
aus, und zwischen den alten Mauern wird auch kein Brennholz mehr
versteigert, wie noch bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Heute
ist die Hohe Warte ein beliebtes Ziel für Wanderer und Ausflügler
und Geheimtip für alle, die mitten im Wald mal Deftiges essen
wollen.
Das Hohewart-Haus gehört heute der Stadt Aschaffenburg, weil
Ihre Bürger von 1605 bis 1644 dem Kurfürst Johann Schweickard
von Kronberg so schön beim Bau seines Schlosses Johannisburg
geholfen hatten. Das hat den hohen Herrn so beeindruckt, daß er
sich in einer schwachen Stunde von beinahe 500 Hektar Wald trennte.
33
Spessartgemeinden schenkte er zum Dank für geleistete Hilfe
beim Schlossbau 206 Hektar Wald (die Zehnt-Hohewart), die Stadt
Aschaffenburg bekam gleich nebenan 261 Hektar (die Stadt Hohewart).
Doch die 33 Gemeinden konnten Ihren Wald nicht nutzen, weil die Anfahrtswege
zu weit waren. So schrumpften die Erträge von Jahr
zu Jahr, bis das kurfürstliche
Geschenk 1857 unter den Hammer kam.
Natürlich wollte die Stadt Aschaffenburg bei der Versteigerung
am 30. Juli 1857 vor dem Landgericht Obernburg von Anfang an mitbieten
- um jeden Preis, wenns nötig war. Das hatte der Stadtmagistrat
so beschlossen, und dafür hatten Bürgermeister von Herrlein,
der Rechtkundige Rat Saam, sowie die Herren Magistratsräte Hirsch,
Kittel, Krebs, Protz, Reuss, Anton Weber, Fr. M. Weber und der Polizei-Offiziant
Müller.
Doch als es dann soweit war, lagen Bürgermeister von Herrlein
und Magistrat Kittel mit Ihrem Angebot von 78600 Gulden um 200 Gulden
unter dem Angebot der Gebrüder Rexroth vom Hobbacher Eisenhammer.
Denoch erteilte das Gericht dem Meistbietenden noch nicht dem Zuschlag.
Die Aschaffenburger Herren baten um 14 Tage Aufschub und siehe, ihr
Wille geschah. Dann allerdings stellten sie fest, daß sie die
Rechnung ohne das Gemeindekollegium gemacht hatten. Denn als Magistrat
und Gemeindevertreter einen Tag später berieten, wurde der Waldkauf
mit 8:1 Stimmen abgeschmettert. Man hatte sich auf ein kurz zuvor
eingeholtes Gutachten des königlichen Forstamtes Aschaffenburg
besonnen, das den Waldwert höchstens auf 72000 Gulden bezifferte.
Und
obwohl die Regierung mit einem günstigen Kreditangebot
alle Unebenheiten auf dem Weg zur Zehnt-Hohewart ebnen wollte, blieb
es dabei. Bei einer gemeinsamen Sitzung mit dem Gemeindekollegium
am 05. Oktober stimmten auch die Magistratsherren mit 6:3 gegen den
Kauf.
Am 16. Oktober 1857 wurden Ludwig und Friedrich Rexroth die
neuen Besitzer der Zehnt-Hohewart. Doch wenn sie auch Eisen kundig
zu formen wußten, vom Wald dürften sie nicht viel verstanden haben.
Die Gebrüder Rexroth haben in Ihrem Wald ganz schön gewütet
und große Kahlhiebe ausgeführt.
Was die Stadtväter dem Rexroth-Emissär sagten, der am
26.08.1865 im Auftrag der Gebrüder den Wald zum Kauf anbot,
ist nicht verbürgt. Es dürften wenig freundliche Worte
gewesen sein. Sicher ist nur, daß die Rexroths ihren Waldbesitz
im Jahr 1866 an den Darmstädter Buch- und Kunsthändler
Georg Gustav Lange veräußerten. Der nämlich wollte
Fabrikant werden und - ausgerechnet - mitten im neugekauften Wald
Zündhölzer produzieren.
Die Fabrik entstand in der Waldabteilung " Fron am Hasenrain ".
Eines Tages jedoch türmten Langes Arbeiter. Immer schon hatten
die Männer Angst vor Explosionen und giftigen Dämpfen beschlichen.
Und jetzt hatte es tatsächlich geknallt und danach gebrannt.
Angeblich war einem Arbeiter glühende Pfeifenasche in Holzspäne
gefallen.
Georg Gustav Lange machte seine Firma dicht. Im Waldgebiet,
das der Volksmund heute noch " Fabrik " nennt, konnten Restfundamente des Baus lange Zeit
besichtigt werden - bis die Leidersbacher den Rotsandstein abschleppten
und in ihr Gemeindehaus einmauerten. Aber auch dieses Haus steht nicht
mehr. Die Fabrik droben im Walde ist dem Erdboden gleich gemacht. Der
gescheiterte Unternehmer aber wollte seinen Wald am 14. Juni 1870 wieder
verscherbeln. An die Stadt natürlich und für 75000 Gulden.
Die
Stadtväter reagierten kühl. Beim derzeitigen Waldbestand
sei der Preis von 75000 Gulden viel zu hoch, da nur wenig mehr als
der Bodenwert übriggeblieben sei. Hinter der kühlen Maske
verbarg sich heißes Verlangen. Natürlich war die Stadt
nach wie vor an der Zehnt-Hohewart interessiert. Ein jedoch erst
vier Jahre später angefertigtes Gutachten des Königlichen
Forstamtes bezifferte den Wert zwar nur noch auf 60000 Gulden, empfahl
den Kauf zugleich aber als dringend im eigenen Interesse der Stadt.
Denn: Langes Erben wollten den Wald roden und das Feld landwirtschaftlich
nutzen. Eine Katastrophe für den angrenzenden Stadtwald: Für
ewige Zeiten wäre die gesamte Hohewart-Höhe einseitig kahlgefegt
gewesen. Regen, Schnee und Sturm hätten ungehindert in den Stadtwald
blasen können. Vermagerung des Bodens und Rückgang des
Baumnachwuchses wären die Folgen gewesen.
Die Stadt entschloß sich zum Kauf. Und wie, schön: Der
Kaufpreis konnte noch auf 50000 Gulden gedrückt werden. Am 6.
April 1875 wurde die Stadt Aschaffenburg neue offizielle Besitzerin
der Zehnt-Hohewart und hatte damit ihren Waldbesitz in diesem Bereich
verdoppelt.
Die Hohewart hat sich seither zu einem Ausflugsziel entwickelt.
Das ging 1880 los - Gründungsjahr der Aschaffenburger " Spessartfreunde ".
Schon die achte von zehn Wanderungen in diesem Jahr führte die
Spessartfreunde gemeinsam mit befreundeten Vereinen aus Hanau und
Frankfurt am 29. August 1880 auf die Hohewart.
Das Hohewart Haus war
noch bis Anfang dieses Jahrhunderts nichts weiter als die Jagdhütte, zu der Antonius Sartor den Grundstein
gelegt hatte. Erst 1909 wurde die Jagdhütte für 2900 Mark
ausgebaut, und die Stadt versteigerte hier noch bis nach dem zweiten
Weltkrieg Brennholz an die Leute aus den Dörfern ringsum.
Seitdem
hat sich das Haus im Wald äußerlich nicht mehr
verändert. Dafür aber drinnen. Der Pächter modernisierte
in jüngster Zeit vor allem die Küche.
1910 hatte die Stadt
bereits für 5000 Mark eine Wasserleitung
gelegt. Sie bginnt 300 Meter weiter bergab an einer Quelle im " Saugrund " und überwindet
auf ihrem Weg bis zum Wasserhahn auf der Hohewart 95 Höhenmeter.
Anfang der 60er Jahre kam eine neue Leitung aus Kunststoff unter
die Erde. Das Wasser fließt ohne motorisiertes Zutun bergauf:
Zwar arbeitet an der Quelle eine Pumpe, doch sie wird angetrieben
durch herabstürzendes Quellwasser, von dem bis zu zehn Liter
pro Minute aus der Erde sprudeln. Auf der Hohen Warte sammelt sich
das Wasser in einem Hochbehälter, der fünf bis sechs Kubikmeter
faßt.
Die Friedenslinde, die mitten im Wirtschaftsgarten steht,
wurde 1894 gepflanzt und die Weisung dazu erteilte der damalige Oberforstmeister
Schultz. Der Grund: ein Krach im Stadtmagistrat mit anschließender
Versöhnung. Weshalb sich die Herren damals - im Jahr 1892 -
so sehr erhitzten, ist unbekannt. Fest steht nur, daß es um
eine Stallung ging, die in die Nähe des Wirtschaftsgebäudes
kommen sollte. Vielleicht wollten die einen lieber einen Steinbau
statt einer Holzbude. Jedenfalls kaufte der Magistrat Anfang 1894
in der Stadt einen Bretterbau, ließ ihn in seine Einzelteile
zerlegen und auf der Hohen Warte wieder zusammenstellen.
Als der Krach beseitigt war, pflanzte Oberforstmeister Schultz ob
des errungenen Friedens vor dem Hohewart-Häuschen die Friedenslinde.
Drei Meter tief steckte er die Triebe in die Erde, und unter das
Wurzelwerk legte er eine Weinflasche mit einer Urkunde, die über
die vorangegangenen Ereignisse berichtet.
Die Hohe Wart war ohnehin
nicht geeignet als Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen. Schon
damals rückte sie immer mehr ins
Blickfeld von Naturfreunden, Wanderern und Waldliebhaber. Die Wandervereine,
die seit 1876 entstanden waren, wollten ein Netz markierter Wanderwege über
den Spessart legen. 1892 war es dann so weit: das erste Wanderweg-Netz
lag vor.
Striche und Ringe in allen Farben (heute sind sämtliche Wege
einheitlich rot gekennzeichnet) weisen den Weg. Jeder der fünf
Hauptrouten durchquerte den Spessart, von denen insgesamt 13 Abzweigungen
zu beliebten Ausflugszielen führte - eine davon ist die Hohe
Wart.
Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Hohe Wart geblieben, die
Bedeutung als Wirtschaftsfaktor für die Stadt hat der Wald indessen schon
längst verloren. |
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